„Ich hasse es zu verlieren“

Fritzlar. Neuer Vorstand, neue Strukturen, neuer Trainer. Beim SV Germania Fritzlar weht ein neuer Wind. Lazar Constantin Cojocar, den alle „Lucky“ nennen, hat das Zepter beim Tabellenfünften der 3. Handball-Liga Ost übernommen. Parallel dazu bleibt der 47-Jährige Coach des Bezirksoberligisten TV Idstein – eine Herzensangelegenheit für den Vollblut-Handballer, der nun regelmäßig 150 Kilometer einfache Strecke aus Südhessen in die Domstadt auf sich nimmt.

 

Gibt jetzt bei Germania Fritzlar die Richtung vor: Trainer Lazar Constantin Cojocar, der Liga-Rivale HSG Kleenheim 2016 als Meister der West-Staffel in die 2. Bundesliga führte. Foto: Hahn

Herr Cojoar, wie oft werden Sie nach Fritzlar pendeln?

Lazar Constantin Cojocar: In der Regel dreimal pro Woche. Dienstags, wo unter anderem die Nachbereitung auf dem Plan ist, und freitags, wo die Videoanalyse und die Vorbereitung auf den Gegner ist, und zu den Spielen. Die dritte Einheit leitet Thomas Schneider nach meinem Plan in Absprache mit mir. Da vertraue ich ihm und den Mädels.

Warum nehmen Sie diese Wege auf sich?

Cojocar: Ich kenne und schätze Fritzlar schon lange. Steffen Schmude hat nicht locker gelassen. Er hat einen großen Verdienst an meiner Verpflichtung. Wenn ich gebraucht werde, mache ich das gerne. Die beste Frau der Welt, also meine, hat grünes Licht gegeben, und da mache ich es, weil ich Handball liebe.

Aktuell ist Fritzlar nur Fünfter. Was ist diese Saison drin?

Cojocar: Vierter oder Fünfter will ich bestimmt nicht werden. Mein Motto ist immer: Nicht verwalten, sondern gestalten. Ich will eine Mannschaft formen, die leistungsorientiert denkt und arbeitet. Wir müssen immer fokussiert sein. Es sind nur noch zehn Spiele. Da darf es keine Aussetzer geben.

Die Abwehr steht mit nur 20 Gegentoren im Schnitt stabil, ist die beste aller Drittligisten, aber im Angriff hapert es....

Cojocar: Prinzipiell will ich immer aus einer stabilen Abwehr spielen. Das Fundament steht also. Nur an dem Umschalten Abwehr- Angriff müssen wir arbeiten. Ich habe ein klares Konzept. Wir müssen den Plan gnadenlos einhalten und über die erste und zweite Welle erfolgreich sein. Dazu den Gegner unter Druck setzen und im Positionsangriff eine Linie verfolgen. Die Spielerinnen sind vorhanden. Ich verlange absolute Disziplin.

15 Spielerinnen gehören zum Kader. 14 dürfen nur auf den Spielbericht. Sehen Sie da ein Problem?

Cojocar: Bei mir zählt das Leistungsprinzip. Die Mädels müssen immer denken: Was kann ich für die Mannschaft tun – nicht umgekehrt. Wir brauchen eine Hierarchie. Jede muss wissen, was ihre Aufgabe ist. Dann läuft das.

Wie ist der erste Eindruck von der Mannschaft?

Cojocar: Sehr gut. Viele kenne von Spielen und Turnieren. Aber ich muss die Mannschaft kennen. Wie bereit ist sie, etwas zu investieren. Wie geht sie mit den Drucksituationen um, usw. Dabei unterstützt mich Frank Hanf, der in Kleenheim mein Torwarttrainer war, mit der Videoanalyse, Statistik und individuelle Wurfanalyse für die Torfrauen. Ich bin schon ganz viel am Videos schauen und Frank macht das sehr gut zusätzlich.

Mit Gedern/Nidda, Ober-Eschbach und Kleenheim warten drei der stärksten Gegner in den kommenden Spielen. Steigt der Puls da schon?

Cojocar: Auf jeden Fall. Ich hatte letzten Sommer eine freiwillige Pause, in der ich mich meinen Hobbys gewidmet habe. Jetzt ist gut und ich will wieder solche Spitzenspiele. Da muss jeder brennen. Es darf keine aus der Mannschaft die Halle verlassen, bevor sie nicht alles gegeben hat, um zu gewinnen.

Fritzlar spielt seit Jahren vorne mit, verzichtete 2016 als Meister auf den Aufstieg. Ist die 2. Liga realistisch?

Cojocar: Natürlich muss man sich diese Gedanken machen. Irgendwann führt kein Weg dran vorbei. Mit Kleenheim haben wir mit kleinen Mitteln bewiesen, was möglich ist, wenn man will. Wir haben dort mit einem gesunden Team und klarer Hierarchie 28 Punkte geholt und Spitzenteams wie zum Beispiel Rosengarten mit 29:23 geschlagen.

Und was fehlt Fritzlar noch zur 2. Liga?

Cojocar: Das kann ich noch nicht beurteilen. Die Saison geht nur noch drei Monate. Die exakten Ziele sind intern zu klären. Aber ich will Erfolg. Ich hasse es zu verlieren. Egal, ob beim Jojo, beim Uno gegen meine Tochter oder Handball.

Von Sebastian Schmidt / hna.de 19.01.2018

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